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2. August 2021

Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren

Unabhängig voneinander waren Sandra Moser und Christian Kobler auf die Meeresschutz-Organisation OceanCare aufmerksam geworden. Im Interview erzählen sie, was sie dazu motiviert, an Bord des Forschungsschiffes zu gehen.

Ocean CareWie seid Ihr auf die Idee gekommen, an Bord eines Forschungsschiffes zu gehen?
Sandra Moser: Mein Partner und ich haben recherchiert, welche sinnstiftenden Projekte es gibt, denen man sich anschliessen kann. Bei vielen Projekten muss man eine spezielle Ausbildung haben, die wir jedoch nicht haben. So sind wir auf OceanCare gestossen, denn hier kann man auch als Laie etwas beitragen.

Christian Kobler: An einem Vortrag hatte meine Partnerin die damalige Forschungsleiterin kennengelernt und sie war von dem Projekt begeistert. Auch ich war schnell überzeugt davon und wir meldeten uns für die Expedition vor der Küste Siziliens an.

Wieso habt Ihr Euch für einen Einsatz auf dem Meer entschieden?
Sandra: Für mich ist der Schutz der Tiere und vor allem der Meeresbewohner eine Herzensangelegenheit. Ich war schon an vielen Orten beim Schnorcheln, vor vielen Jahren habe ich damit auf den Malediven begonnen und dabei unvergessliche Momente erlebt. Deshalb war ein Volunteeringeinsatz auf dem Meer für mich nur logisch.

Christian: Das Tauchen war während vieler Jahre eine grosse Leidenschaft von mir. Auf einer meiner Reisen, vor etwa 23 Jahren, war ich auf einer kleinen indonesischen Insel vor Lombok. Vor der Küste hatte es ein wunderbares Korallenriff, es war artenreich und lebendig. Als wir vor einigen Jahren nochmals an denselben Ort gereist sind, war aus dem ursprünglichen Fischerort ein grosser Hafen mit einer Stadt darum herum geworden. Und das Schlimmste: Als wir zum Riff tauchten, fanden wir es tot vor. Diese Entwicklung zu stoppen, dazu will ich beitragen.

Wie helfen solche Forschungsreisen, Verbesserungen zu erzielen?
Sandra: Die auf den Forschungsreisen erhobenen Daten helfen, ein umfassendes Bild über die Nutzung dieser Meeresgebiete durch die Tiere zu erhalten und allfällige Problemzonen, in welchen menschliche Aktivitäten einen negativen Einfluss auf die Meereswelt haben, zu dokumentieren. Das wiederum hilft, effektive Schutzmassnahmen zu fordern und Schutzgebiete einzurichten.

Welche Aufgaben habt Ihr an Bord übernommen?
Christian: Alle haben einen Meeresabschnitt zur Beobachtung zugeteilt bekommen. Zuerst lernte man, die einzelnen Arten überhaupt zu unterscheiden. Gezählt wurden Pottwale, Grindwale und Delfine. Es gab Tage, an denen sich rein gar nichts getan hat. An anderen Tagen begegneten wir einer Vielzahl von Grindwalen und Delfinen, da kommt man dann kaum mit dem Zählen hinterher. Dazu hatten wir Hydrophone im Einsatz, dort horchten wir ins Meer hinein, ob sich Tiere näherten. Vor allem Delfine, die ja oft in riesigen Schulen unterwegs sind, hört man von weit her.

Sandra: Wir hatten bereits am ersten Tag, vor der Strasse von Messina eine Begegnung mit einer riesigen Grindwalschule, das waren sicher an die 30 Tiere. Da dachten wir, das geht jetzt jeden Tag so. Es gab jedoch auch bei unserem Einsatz Tage, an denen sich weit und breit kein Meeressäuger zeigte. Aber wir haben viele weitere interessante Beobachtungen machen können, etwa Schwertfischfänger, die jedes Tier einzeln fangen. Wir haben Mondfische und viele andere Meeresbewohner gesehen. Aber leider keine Pottwale!

Habt Ihr durch diesen Einsatz ein anderes Verständnis für die Problematik der Meeresverschmutzung bekommen?
Sandra: Diese Reise hat meine Wertschätzung für die Natur nur noch vergrössert. Es macht einem sehr bewusst, wie wichtig dieses Ökosystem Meer eigentlich ist – und auch, wie wir es systematisch zerstören. Während unserer Fahrten haben wir in Listen eingetragen, was so alles im Meer schwamm. Eine Riesenschildkröte war neben den Meeressäugern das Schönste, was wir da gesehen haben. Aber leider auch Unmengen von Müll.

Christian: Wir haben einmal ein Beachcleaning an einem kleinen Strand gemacht. Dort haben wir säckeweise Unrat gesammelt, Verpackungen, Plastikteile, Unmengen von Zigarettenkippen, leere Sonnenmilchflaschen und so weiter. Es war erschreckend – auch, weil die Badegäste das scheinbar gar nicht bemerkten. Als wir fertig waren, haben wir den Müll im hinteren Teil des Strandes ausgelegt und dann kamen einige Badegäste, um sich das anzuschauen. Auch sie waren schockiert und einer sagte, dass er sich für seine Landsleute schämen würde.

Nicht jeder kann oder will auf ein Forschungsschiff gehen. Wie kann man sich auch in anderer Weise für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt engagieren?
Sandra: Wenn man sich wirklich engagieren will, gibt es sehr viele Möglichkeiten. Man muss dazu nicht weit reisen, auch in der unmittelbaren Umgebung kann man viel bewirken. Man muss nur die Augen und Ohren offenhalten.

Christian Kobler

Sandra Moser

Über OceanCare

OceanCare sorgt weltweit dafür, dass die Ozeane und deren Bewohner geschützt werden. Seit 2011 ist die Organisation UN-Sonderberaterin für den Meeresschutz. Auf den Forschungsreisen können 6 bis 7 Mitforschende mitreisen. Die Teilnahmekosten decken Kost und Logis der Teilnehmenden an Bord und helfen, das Projekt zu finanzieren.

oceancare.org

Selbst aktiv werden

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie man sich für eine nachhaltigere Lebensweise einsetzen kann. Hier zwei weitere Anregungen:

Corporate Volunteering – Team-Events im Zeichen der Natur

Der WWF bietet für Firmen Corporate Volunteering-Programme an. Die Teams pflegen Waldränder, Hecken, Trockenwiesen oder Rebberge. Sie stauen alte Drainagen von Mooren oder bepflanzen ein Bachufer. Zusammen mit Landwirten und Gemeinden fördert der WWF so die regionale Wertschöpfung und nutzt wertvolle Synergien für den Naturschutz. Dank gemeinsamer Erlebnisse trägt Corporate Volunteering zusätzlich zur Teambildung bei.

Mehr erfahren unter wwf.ch/de/aktiv-werden

Clean-Up-Day: Aufräumen vor der Haustür

Der nationale Clean-Up-Day ist Teil des World Cleanup Days, der 2021 am 18. September stattfindet. Er wird seit 2013 von der IGSU organisiert und mobilisiert jedes Jahr mehrere zehntausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Im September 2020 haben sich geschätzt 25‘000 Personen an über 450 Aktionen beteiligt. Unterstützt wird der Aktionstag vom Bundesamt für Umwelt BAFU, dem Schweizerischen Verband Kommunale Infrastruktur SVKI und von der Stiftung Pusch.

Mehr erfahren unter clean-up-day.ch