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6. August 2021

Hinschauen, wo andere wegschauen

Der Unternehmensdialog ist ein wichtiger Teil der Forma Futura Anlagestrategie. Er trägt dazu bei, sowohl vertiefte Informationen von Unternehmen zu erhalten als auch auf wichtige Themen hin zu sensibilisieren.

Nachhaltigkeit ist im Trend. Ein Unternehmen, das heute erfolgreich am Markt bestehen will, kann sich dem nicht mehr entziehen. Für Anlegerinnen und Anleger, aber auch für Analystinnen und Analysten wird es immer schwieriger, echtes Engagement von blossen Lippenbekenntnissen zu unterscheiden. Der Unternehmensdialog ist für Forma Futura ein integriertes und bewährtes Instrument, um einen tieferen Einblick in ein Unternehmen zu erhalten. Dessen Bekenntnis zur Nachhaltigkeit kann damit überprüft werden.

Unternehmen auf dem Prüfstand

Um Teil des Forma Futura Anlageuniversums zu werden, müssen Unternehmen einen mehrstufigen Auswahlprozess durchlaufen. Dieser besteht aus einer externen Basisprüfung, einer eigenen Finanzanalyse sowie der abschliessenden Nachhaltigkeitsanalyse. Aus einem globalen Pool von über 10'000 Unternehmen genügen schlussendlich nur etwa 250 den strengen Kriterien von Forma Futura.

Forma Futura hat bereits 2011 den Unternehmensdialog eingeführt. Ein Instrument, das den Analyseprozess um eine entscheidende Komponente ergänzt: den persönlichen Kontakt mit den Unternehmen, die auf dem Prüfstand stehen. Im Verlauf des Researchprozesses gibt es verschiedene Auslöser, um einen solchen Firmendialog aufzunehmen:

  • Informationen aus der Unternehmensanalyse reichen für eine Beurteilung nicht aus
  • Kontroverse Unternehmensaktivitäten
  • Recherche zu unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen

Engagement Prozess

Im Unternehmensdialog werden individuelle, auf das Unternehmen bezogene Fragen gestellt, die sich aus dem Analyseprozess ergeben. Im Fokus stehen Themen wie Mitarbeitenden- und Lieferantenpolitik, Steuertransparenz, Umweltziele, sowie Gen- oder Nanotechnologie. Interessante börsenkotierte Schweizer KMUs werden zusätzlich vor Ort besucht. Inhalt und Form solcher Dialoge fliessen in die Unternehmensbewertung mit ein.

Kontaktiert werden die Unternehmen auch bei einem allfälligen Ausschluss aus dem Forma Futura Anlageuniversum und bei schwerwiegenden Kontroversen. Letztere können die Bewertung reduzieren, was auch zum Ausschluss des Unternehmens führen kann.

Sowohl die relativ hohe Rücklaufquote von 70 Prozent als auch die überwiegend hohe Qualität der Antworten beweisen, dass der Unternehmensdialog Wirkung zeigt. Unternehmen werden durch diesen Prozess auf problematische Aspekte ihrer Nachhaltigkeitsleistung sensibilisiert und zu ökologisch und sozial verantwortlichem Wirtschaften motiviert. Forma Futura kann so über die Anlageaktivitäten hinaus die Bewusstseinsbildung bei wichtigen Marktakteuren steigern. Das gemeinsame Ziel ist es, einen stetig wachsenden Beitrag zur Steigerung der nachhaltigen Lebensqualität zu leisten.

 

Unternehmensdialog am Beispiel Menschenrechte

Im März 2020 hat das Australian Strategic Policy Institute (ASPI) den Bericht «Uyghurs for Sale» herausgegeben, der 82 globalen Marken vorwirft, in ihrer Lieferkette Zwangsarbeit von Uigurinnen und Uiguren sowie anderen muslimischen Minderheiten in China zu nutzen. Weitere Quellen wie die Recherche des Online-Magazins ChinaFile bestätigen diese Vorwürfe. Da auch einige Firmen aus dem Forma Futura Universum im Bericht genannt werden, wurde 2020 bei diesen ein umfassender Unternehmensdialog durchgeführt.

Proaktiv Unrecht bekämpfen

Auch Electrolux gehörte zu den in Verdacht geratenen Unternehmen. Dort handelte man sofort. Im Jahr 2019 hatte Electrolux 169 physische Audits bei Electrolux-Lieferbetrieben in China durchgeführt – mit positiven Ergebnissen. Nach Bekanntgabe des ASPI-Berichts 2020 nahm Electrolux sofort den Dialog mit dem betreffenden Lieferanten auf. Dieser bestätigte, dass er sowohl die internationalen Richtlinien zum Schutz der Menschenrechte als auch die Richtlinien von Electrolux einhält. Aufgrund der Covid-19-Pandemie hatte Electrolux jedoch noch keine Möglichkeit, die Situation vor Ort zu überprüfen. Doch es wurden bereits folgende weiterführende Massnahmen ergriffen:

  • Erneuerung des Verhaltenskodex mit allen in China ansässigen Lieferantinnen
  • Erweiterung des Risikobewertungsprozesses zur Identifikation von Unternehmen mit überdurchschnittlich hohem Risiko einer Beteiligung an Zwangsarbeit
  • Erweiterung des Auditprotokolls zur Überprüfung der Lieferantinnen, um stärker auf einheimische Wanderarbeiterinnen und deren Rekrutierungsprozess zu achten
  • Aktualisierung interner Schulungen für verwandte Funktionen (wie Qualität und Einkauf) zur Bewusstseinsschärfung.

Die Transparenz und Offenheit des Unternehmens sowie die Umsetzung von weiterführenden Massnahmen überzeugten Forma Futura. Die Nachhaltigkeitsbewertung von Electrolux wurde deshalb nicht reduziert.


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Doris Hauser

Doris Hauser

Leiterin Nachhaltigkeitsresearch

«Ich arbeite bei Forma Futura, weil ich gerne Teil des wachsenden Netzwerkes von Menschen bin, die dazu beitragen, das Finanzsystem an ökologische, soziale und gesellschaftliche Herausforderungen und realwirtschaftliche Bedürfnisse anzupassen. Zudem bereichern mich die interdisziplinäre Arbeit und der spannende, kontinuierliche Wissensaufbau, der dem Nachhaltigkeitsresearch zugrunde liegt.»