25. September 2024

Finanzielle Inklusion und Entwicklungszusammenarbeit: Kann der Finanzmarkt Armut beenden?

Geschrieben von: Larissa Jäger

Zugang zu Bankdienstleistungen und Finanzmärkten gilt als ein wichtiger Schlüssel zur Armutsbekämpfung – doch funktioniert das in der Praxis wirklich?

© 2019 ElenMarlen/Depositphotos.com

Der Begriff der «Finanziellen Inklusion» prägt schon seit einiger Zeit Entwicklungsprogramme in Ländern des globalen Südens. Die seit den frühen 2000er Jahren von einflussreichen Entwicklungsorganisationen wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vorangetriebene Agenda sieht vor allem in den Finanzmärkten die Lösung des Armutsproblems. Dabei sollen von Armut betroffene Menschen durch verbesserten Zugang zu bezahlbaren und sicheren Finanzdienstleistungen wie Krediten, Sparkonten oder Versicherungen Teil des «formellen» (sprich: westlichen) Wirtschaftssystems werden, das seinen Teilnehmenden wiederum wirtschaftliche Entwicklung, Wohlstand und Emanzipation verspricht. Gleichzeitig rückten auch neue Akteure auf den Plan. Nicht nur konventionelle Entwicklungsorganisationen sollen Menschen «Fortschritt» bringen, sondern auch Finanzinstitute oder private Unternehmen, die mit innovativen Geschäftsmodellen die erfolgreiche Einbindung vernachlässigter Bevölkerungsschichten in die unternehmerische Wertschöpfung anstreben. Armutsbekämpfung ist somit als attraktive neue Anlageklasse etabliert und mit einem Profitmotiv versehen worden.

In dieser «Wissen teilen»-Ausgabe möchten wir zwei Beispiele als Varianten dieser Ansätze zur finanziellen Inklusion näher vorstellen: Mikrofinanz (Mikrokredite und -versicherungen) und mobile Zahlungssysteme (sogenanntes «Mobile Money»). Beides sind Beispiele für Instrumente, die von grossen westlichen Unternehmen, Entwicklungsorganisationen und NGOs in Ländern des globalen Südens gefördert werden und die auf die Eingliederung von armutsbetroffenen Menschen ins globale Finanzsystem abzielen.

Im Zentrum dieses Papiers stehen folgende Forschungsfragen:

  • Woher stammen solche Ideen und Ansätze?
  • Welche Prinzipien liegen ihnen zugrunde?
  • Wie sind sie aus einer Perspektive der sozialen Nachhaltigkeit zu beurteilen? 

Je nach Sichtweise können diese Ansätze einen enormen Beitrag zur Lebensgrundlagensicherung, Lebensqualität und Ermächtigung von Menschen und Unternehmen leisten. Andererseits müssen aber auch die Probleme eines marktorientierten Entwicklungsansatzes beleuchtet werden, der auf der Einbindung marginalisierter Menschen in das globale Finanzsystem beruht und einer Profitlogik folgt. Die Diskussion dieser Beispiele ist aber auch aus einem weiteren Grund wichtig. Als nachhaltige Vermögensverwalterin ist es Forma Futura ein Anliegen, unsere Angebotspalette stets zu prüfen und weiterzuentwickeln, um im Sinne unserer Kundinnen und Kunden eine gesellschaftliche und ökologische Verantwortung wahrzunehmen. Bereits heute verfolgen einige Unternehmen unseres Anlageuniversums Ansätze der finanziellen Inklusion in ihren Nachhaltigkeitsstrategien. Schon allein deshalb müssen wir uns die Frage stellen: Wie und an welchen Orten wirkt das von uns angelegte Geld bereits? Wie soll es in Zukunft wirken?

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